Marketing per Post: Unternehmens- und Produktpräsentation über Werbeflyer, Kataloge und Informationsbriefe

Raab-Verlag AT_Marketing per Post Abbildung 1
Werbung gehört bei vielen Postsendungen dazu.

Wer kennt sie nicht, die Werbebriefe, die meist neben Rechnungen und Briefen im Briefkasten landen. Für viele Unternehmen ist dies immer noch eine übliche Werbe- und Marketingmaßnahme, um den Kundenkreis zu erweitern oder zu informieren. Doch viele Flyer oder Broschüren können schnell im Papiermüll landen, wenn die Aufmachung oder der Inhalt nicht stimmig sind. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, interessante und informative Flyer auffallend zu gestalten. Neben ungewöhnlichen Formen und peppigen Designs kommen je nach Unternehmen auch Duftnoten, Gutscheine, Postkarten oder Aufkleber in Frage. Erlaubt ist, was zum Stil und zum beworbenen Inhalt passt. Wer mit Briefen und Flyern werben möchte, sollte auch den rechtlichen Rahmen dabei beachten und schützt damit sowohl den eigenen Betrieb vor möglichen Klagen, als auch den bisher erworbenen Ruf. Wer seine Zielgruppe genau kennt, kann sich sowohl bei der Verteilung als auch bei der Aufmachung besser darauf einstellen und einen größeren Effekt erzielen.

 

  1. Briefsendungen in Österreich

Der tägliche Gang zum Briefkasten ist in jedem Haushalt obligatorisch. Über zwei Milliarden Briefe erreichten 2012 österreichische Haushalte, Firmen und Behörden; der Umsatz lag bei über 2,3 Millionen Euro der Österreichischen Post AG.

Briefsendungen in Österreich
Briefsendungen in Österreich

Quelle: http://post.at/downloads/Oesterreichische_Post_Geschaeftsbericht_2012_Teil_2_DK.pdf

Dabei ist zu erkennen, dass die unadressierten Sendungen mit über drei bis vier Milliarden Stück die adressierten Sendungen weit übersteigen. Darin enthalten sind neben den kommerziellen Briefen oder Flyern auch amtliche Informationen oder Parteienwerbungen. Das Wahljahr 2010 erklärt den angestiegenen Wert von über vier Milliarden Stück.Quelle: http://post.at/downloads/Oesterreichische_Post_Geschaeftsbericht_2012_Teil_2_DK.pdf

Das bedeutet also, dass die meisten Haushalte mit Sendungen rechnen und deshalb ihren Briefkasten täglich leeren. Bei der Menge an Werbematerial und öffentlichen Bescheiden, die zusätzlich ins Haus kommen, fällt jedoch nicht jede Werbung sofort auf.

 

Unadressierte und teiladressierte Sendungen

Je nach Auflage und Gewicht gibt es unterschiedliche Preismodelle für die Versendung von Werbematerial.

Raab-Verlag AT_Marketing per Post Tabelle 1

 

 

 

 

 

Quelle: http://www.post.at/geschaeftlich_werben_produkte_und_services_werbeformen_oesterreich_info_post_unadressiert.php
Daneben gibt es noch das Kuvert, ein Sammelumschlag mit Werbebroschüren und Infomaterial, das zwei Mal pro Woche an über drei Millionen Haushalte geht. Ab 30.000 Stück können Unternehmen ihr Werbematerial von der Post verteilen lassen.Neben den Sendungen ohne Adresse gibt es noch die Option der Teiladressierung. Das bedeutet, dass der Anbieter Werbematerial an bestimmte Häuser sendet, in denen aufgrund von Datenerhebungen besonderes Interesse an den jeweiligen Produkten bestehen könnte. Die Post filtert aus einer Datenbank von 4,2 Millionen Haushalten und zwei Millionen Häusern die relevanten Informationen heraus und verteilt die Sendungen noch gezielter. Die Filterung erfolgt aufgrund von unterschiedlichen Faktoren wie Berufsgruppe, Alter, Kaufkraft, der PLZ oder dem Einkommen. Die Finanzierung erfolgt in gesonderten Verhandlungen.

Die größte Anzahl postalischer Werbung läuft immer noch über die Österreichische Post AG.
Die größte Anzahl postalischer Werbung läuft immer noch über die Österreichische Post AG.

 

Eine weitere Möglichkeit gibt es mit hurtigflink, die je nach Ländern oder Städte unterschiedliche Preise für Prospekt- und Werbeverteilungen anbieten.

Raab-Verlag AT_Marketing per Post Tabelle 2

 

Quelle: http://hurtig.at/cms/pages/werbemittelverteilung/verteilungstarife.php

Wer größere Sendungen, wie Kataloge oder ähnliches verschicken möchte, sollte sich die Konkurrenz der Post wie zum Beispiel DPD, GLS oder TNT genauer ansehen. Ab 200 Gramm bis 3500 Gramm gibt es ebenfalls unterschiedliche Preismodelle.

Dabei ist wichtig, dass auch der Werbende seine Zielgruppe so genau wie möglich einkreisen kann, um eine gezielte Verteilung möglich zu machen. Die Kuvertwerbung ist laut Angaben der Österreichischen Post sehr gut angelaufen und der Bekanntheitsgrad liege bei über 85 Prozent der Österreicher.

 

  1. Rechtliche Bedingungen

Ohne eine vorherige Einwilligung des Kunden sind weder telefonische noch Email-Werbung möglich. Diese Einwilligung entsteht durch eine Unterschrift, Anmeldung zu Newslettern oder mündlich aufgezeichneten Zustimmungen. Massenemails mit Werbeinhalt ab 50 Adressen sind außerhalb des privaten Raumes in der Regel ebenfalls nicht erlaubt.

Bei der postalischen Werbung gibt es weniger Einschränkungen. Doch auch hier gilt, wenn am Briefkasten ein Werbeverzichtaufkleber steht oder eine schriftliche Ablehnung vorliegt, darf kein Werbematerial in diese Kästen gelangen. Für adressierte Werbung, kostenlose Zeitungen oder Anzeigenblätter gilt die Aufkleberregelung dagegen nicht.

Des Weiteren gibt es noch die so genannte Robinsonliste, benannt nach dem Helden des Romans Robinson Crusoe. Dort tragen sich Privatpersonen ein, die keine unerwünschte und keine adressierte Werbung mehr erhalten möchten. Seriöse Unternehmen gleichen ihre Listen mit der Robinsonliste ab und vermeiden so Streitigkeiten und weitere Konflikte.

 

  1. Zielgruppen

Für jedes Unternehmen, das über Werbung Kunden gewinnen möchte, ist die Definition der Zielgruppe entscheidend. Marktumfragen und Meinungsforschungen geben Indizien dafür. Klassische Erhebungen laufen über Alter, Berufsgruppe und Bildungsgrade. Andere richten sich mehr nach Lebensumgebungen oder Lebenswelten. Dabei geht es um Daten zu Freizeit, Gesundheit oder Markenbewusstsein, um ein ganzheitliches Bild der Kunden zu gewinnen.

Je nach Bildungsgrad oder Einkommen sind andere Lebenswelten für bestimmte Produkte relevant. Wer weiß, was seine Zielgruppe interessiert, kann das Produkt dementsprechend präsentieren und zu einer weiteren Beschäftigung damit anregen.

Einen Jugendlichen mit großem Interesse an Marken und Musik sprechen andere Botschaften an, als einen Mann im mittleren Alter mit Theaterabo. Der Lebensraum und die unterschiedlichen Verknüpfungen der Freizeitbereiche und Interessen beeinflussen das Verhalten der Konsumenten. Wer darauf achtet, gewinnt neue Kunden gezielter.

Umfragen und Marktforschung grenzen die Zielgruppe ein.
Umfragen und Marktforschung grenzen die Zielgruppe ein.

 

  1. Produktprofil

Für eine ansprechende Werbung sollte ein Unternehmen die Kernpunkte des Produktes in wenigen Punkten festhalten. So kann die Werbung besser zu den gewünschten Kunden passen und der Prozess liefert vielleicht direkt markante Headlines oder Stichpunkte.

Die Produktprofile können die Unternehmen den gewünschten Zielgruppen zuordnen. Gibt es mehrere Produkte können auch unterschiedliche Personengruppen interessant sein, zum Beispiel bei Artikeln für die Körperpflege oder für Haus und Garten. Hilfreich sind dabei Tabellen, welche die Lebenswelten der Anwender und die Produktprofile gegenüber stellen. Ganz deutlich sollte das Unternehmen den Nutzen für den jeweiligen Kunden und Attribute wie Alleinstellungsmerkmale und Vorteile herausarbeiten.

 

  1. Werbematerial

Wer Kunden und Produkt definiert und den Verteilungsbereich eingegrenzt hat, sollte sich die unterschiedlichen Formate und Materialien genau ansehen. Ein bunter Flyer passt vielleicht besser zu einem neuen Modeprodukt, als zu einer Automarke. Je nach Vorlieben reagieren die Empfänger positiv oder negativ. Ob Katalog, Flyer oder Broschüren – bei der Auswahl sollte das Unternehmen alles miteinander abstimmen.

 

5.1. Flyer

Die klassische Variante der unadressierten Werbung ist der Flyer. Er existiert in vielen unterschiedlichen Größen und Formen. Seine Vorteile sind das geringe Gewicht und die leichte Gestaltung.

Druckereien können Flyer oft in größeren Mengen kostengünstig produzieren. Bei den Formaten sind ebenfalls kaum Grenzen gesetzt, außer den Bestimmungen für Versand und Lieferung. Durch die Verwendung von Bildern und kürzeren Texten kann der Leser den Inhalt schnell erfassen und die für ihn .wichtigen Informationen filtern. Wer Gutscheinaktionen, Rabatte oder einen Neukundenbonus einbringt, kann darüber hinaus direkte Antworten und Reaktionen erkennen.

Mit Farbe Aufmerksamkeit erzeugen.
Mit Farbe Aufmerksamkeit erzeugen.

Besonderes Augenmerk liegt auf der Titelseite. Auffallende Bilder und kurze Sprüche sollten sofort ins Auge fallen. Die Rückseite bietet sich für Adressen, Links und eventuell aktuelle Daten für Rabattfristen oder Ähnliches an. Der Flyer sollte nicht mit zu vielen Informationen überfrachtet sein, sonst verliert der Leser schnell das Interesse. Bei der Gestaltung sollten Firmen die so genannten Eyecatcher nicht vergessen, also besonders schöne Fotos, ausgestanzte Logos oder ungewöhnliches Format in Form des Produktes.

 

5.2. Broschüre

Im Gegensatz zum Flyer besteht eine Broschüre meist aus mehreren Seiten. Das ist für Unternehmen sinnvoll, die ein neues Produkt oder sich selbst ausführlicher vorstellen möchten. Vielleicht gibt es bereits Datenerhebungen zu der Anwendung, Rezeption oder Warentests, die beispielhaft die Vorzüge des Produktes bewerben können. Der Nutzen für den Kunden steht dabei im Vordergrund. Einige Marketingexperten betonen, dass der Kunde direkt angesprochen und aufgefordert sein sollte. Testimonials, also Kundenstimmen oder Fallstudien helfen bei der möglichen Überzeugung des Lesers.

Wichtig sind zudem eine ansprechende Aufmachung und die Nutzung vieler Bilder. Bei dem Format kann es sich um eine Faltbroschüre oder eine Broschüre mit Klammer- oder Klebheftung handeln. Die Bindung ist je nach Schwere und Größe auszuwählen. Dickere Hefte sind eher weniger gewünscht, als handlichere. Hochwertige Drucke, Glanzeffekte oder edle Designs unterstützen den Werbeeffekt.

 

5.3. Kataloge

Wenn bereits Kundenkontakte bestehen, sind Kataloge der neuen Produkte als Werbung eine gute Idee. Sobald ein Kunde mehrfach bei einem Unternehmen bestellt hat, liegen die Chancen gut, dass weitere Produkte in Frage kommen könnten. Die Abstände des Versands sollten regelmäßig, aber nicht zu zahlreich sein. Schließlich kaufen Kunden einige Produkte wie Möbel oder saisonale Kleidung nicht jeden Monat neu.

Wichtig ist hier, dass das Unternehmen eventuelle Abbestellungen beachtet, damit der Kunde sich nicht belästigt fühlt.

Die Aufmachung des Katalogs erfolgt passend zum Unternehmen. Neue Produkte sind im großen Stil zu zeigen, mit Detailfotos, ansprechendem Kontext und kurzen Beschreibungen. Weitere Informationen für den Leser sind die Vorteile der Neuerungen oder neuen Artikel und der Nutzen für den Anwender.

 

5.4. Infobriefe

Wer Kunden halten möchte, kann neben Katalogen auch mit Informationsbriefen kommunizieren. Diese können auf neue Produkte oder aktuelle Angebote hinweisen. Eine direkte Ansprache ist unbedingt notwendig, aber das Unternehmen sollte auf einen ausgewogenen Inhalt achten. Besondere Kundengutscheine, Rabatte zu Feiertagen oder Specials bei Jubiläen eignen sich gut für die weitere Kundenbindung. Der Brief sollte aber in jedem Fall als Werbung zu erkennen und auf den Kunden zugeschnitten sein.

 

5.4. Geschenke

In fast jeder postalischen Werbung können kleinere Geschenke untergebracht sein. Einige Unternehmen arbeiten mit Süßigkeitentüten, die sie an Flyer oder Broschüren kleben oder tackern. Andere legen Duftproben oder weitere handliche Proben bei. Beliebt sind auch Schlüssel- oder Handyanhänger, Aufkleber und Postkarten. Wer seine Kunden kennt, kann nützliche Geschenke einsetzen, wie zum Beispiel USB-Sticks, Blumensamen oder Büroartikel. Ein Plus können statt Werbegeschenken Spenden oder nachhaltige Produkte als Dankeschön für den Kunden sein. Auch für Neukunden sind Werbegeschenke möglich, aber natürlich kostenintensiver und mit geringeren Erfolgsaussichten.

USB-Sticks mit Firmenlogo sind beliebte Geschenke.
USB-Sticks mit Firmenlogo sind beliebte Geschenke.

Bei der Gestaltung darf das Logo des Unternehmens nicht überhand nehmen, damit der Kunde das Geschenk auch wirklich nutzt und nicht zur Seite legt.

Werbung per Post kommt an, sie muss nur entsprechend aufgemacht sein. Besonders hilfreich ist die gezielte Auswahl von Kunden und Produkt, so wie der Einsatz von Marktforschung und Analysen. Wer seine Kunden kennt, kann Artikel, Unternehmen oder Aktionen besser bewerben und neue Kunden dazu gewinnen. Die Kundenbindung sollten Firmen nicht vernachlässigen, denn diese ist meist günstiger als die Neukundengewinnung. Mut zum Ausgefallenen und hochwertige Aufmachungen unterstützen eine gelungene Präsentation.

 

Bildquellen:

Abbildung 1: Pixabay.com © gillnisha (CC0 1.0)

Abbildung 2: Wikimedia.commons.org © leut (CC BY-SA 3.0)

Abbildung 3: Wikimedia.commons.org © Raimond Spekking (CC BY-SA-3.0)

Abbildung 4: Wikimedia.commons.org © MichaelMaggs (CC BY-SA 3.0)

Abbildung 5: Wikimedia.commons.org © Evan-Amos (CC0 1.0)

 

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