Schriftsysteme der Welt – Arabisch, Chinesisch, Kyrillisch und indischer Schriftkreis im Überblick

Weltweit gibt es über 100 Schriftsysteme, mit welchen zum Teil seit Jahrtausenden kommuniziert und wichtige Inhalte der Menschheitsgeschichte überliefert werden. Viele haben sich aus unterschiedlichen Gründen entwickelt und vervielfältigt, doch einen großen Teil der Verbreitung machen die Weltreligionen aus, anhand welcher die großen Schriftregionen unterteilt werden können.

Während das lateinische Schriftsystem über 2,2 Milliarden Menschen fasst und im sechsten und siebten Jahrhundert vermutlich in erster Form von den Etruskern entwickelt wurde, lassen sich die asiatischen Schriftsysteme in Süd, Südost und Ostasiatisch unterscheiden, mit einer großen Bandbreite von logographischen Systemen im Chinesischen bis zu den Silbenschriften im Japanischen.

Die Schriften haben sich weltweit zu unterschiedlichen Zeiten herausgebildet, von den ersten Keilschriften in Mesopotamien um 3100 vor Christus oder dem Runenalphabet, das erst im zweiten Jahrhundert vor Christus in Europa entwickelt wurde. So verschieden die Schriftarten und die Geschichte sind, so gibt es auch erstaunliche Gemeinsamkeiten. Es folgt ein Überblick über die größten Systeme abseits der lateinischen Schrift und ihre Entstehung und Verbreitung.

 

Historische Ursprünge der Schriftsysteme

Keine Region der Welt kann den Ursprung der Schriften für sich beanspruchen, denn innerhalb der ersten Jahrtausende vor Christus haben sich in vielen Ländern der Erde schriftliche Kommunikationsmittel entwickelt.

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Quelle: https://www.urwpp.de/

Die ältesten überlieferten Systeme sind die mesopotamische Keilschrift und die ägyptischen Hieroglyphen, doch selbst auf den isolierten Osterinseln lassen sich 1500jährige Schriften wiederfinden. Im Fokus der Diskussionen steht auch die Vinca-Schrift, die bereits vor 7000 Jahren zwischen Ungarn und Griechenland anhand von Sakralzeichen auf Keramik und Figuren entdeckt wurde und bei welcher sich die Forscher uneins sind, ob sie überhaupt als Schriftsystem gelten.

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Die Hieroglyphen sind nur eine der ersten Schriftarten.

Die Sumerer sind vermutlich die Begründer der Keilschrift, die sich zunächst aus 900 Piktogrammen und Ideogrammen zusammensetzte, wie es auch in der chinesischen Schrift üblich war. Die Verbreitung der Schrift erfolgte über die Herrschaft der Akkader, die ihr Gebiet über die eingenommenen Länder hinweg erweiterten und die Schrift einführten. Auch im indogermanischen Raum um die Hethiter wurde die Keilschrift genutzt, bis schließlich die Assyrer und Babylonier sich der Schrift annahmen. Erst durch die phönizische und griechische Lautschrift wurde das uralte und immer wieder erneuerte System abgelöst.

Die Veränderungen sind in einigen Schriftsystemen umfangreicher gestaltet worden, so entstanden aus vielen Keilsystemen erste Alphabete, welche die Piktogramme und Bildsprachen durch die Wortsilbenschrift ersetzten, während in der chinesischen Schrift die Bilder sich zum logographischen System entwickelten, folglich die Schriftzeichen ein vollständiges Wort oder eine vollständige Silbe wiedergeben.

 

Arabisch – Bedeutung der Religionen und die Entwicklung der Konsonantenschrift

Vermutlich sind die arabischen Buchstaben aus dem phönizischen Alphabet entstanden, denn dieses enthielt ausgehend aus Keilschrift oder dem Demotischen nur Konsonanten als Buchstaben. Eine der ältesten Schriften und Sprachen der Region ist das Aramäische, welches sich in einigen Funden im Raum Syrien nur wenig von ähnlichen Alphabeten des Phönizischen unterscheidet. Auch Hebräisch soll sich dem phönizischen Alphabet bedient haben und mit der ersten Niederschrift des Alten Testaments in Hebräisch, Teilen in Aramäisch und des Neuen Testaments in Griechisch war die Verbreitung einer der wichtigsten Schriften der Menschheit gestartet.

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Die ersten Funde der arabischen Schrift wurden 513 nach Christus datiert, doch eine große Verbreitung erhielt die Sprache und die Schrift tatsächlich erst 612, als der Prophet Mohammed die Botschaft Gottes auf Arabisch niederschreibt.

Die Niederkunft in Mekka 622 markiert den Start der islamischen Geschichte und die Verbreitung der arabischen Schriftsysteme im arabischen Raum und Nordafrika. Bis heute ist in 26 Ländern Arabisch die offizielle Amtssprache. Allein das Schriftarabisch behält seine einheitliche Form, während das gesprochene Arabisch weltweit unterschiedliche Dialekte besitzt.

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Arabisch als (ko-)offizielle Sprache

Das Alphabet und die Zahlen

In vielen Moscheen wird Kalligrafie eingesetzt.
In vielen Moscheen wird Kalligrafie eingesetzt.

Die Schreibweise des Arabischen von rechts nach links war zur Entstehungszeit vieler Schriften üblich und die Herausarbeitung der 28 Buchstaben ähnelt im Grunde anderen Buchstaben, die aus dem Phönizischen entstanden sind. Es gibt keine Groß- oder Kleinschreibung und die Buchstaben verändern ihre Form je nach Position im Satz und im Wort.

Schriftsysteme_FEB_Grafik 3Am weitesten verbreitet ist die Nasch-Schriftform, die um 900 nach Christus die kufische Schrift aufgrund ihrer Lesbarkeit ersetzte.

Die Zahlensysteme des Arabischen sind die Vorgänger unserer heutigen Schreib- und Zählweise und begannen im zehnten Jahrhundert n.Chr. ihren Siegeszug durch Europa, ausgehend von der iberischen Halbinsel. Das arabische Zahlsystem ist ein Dezimalsystem, das aus zehn Ziffern besteht und dank der Einführung der „Null“ komplexere Rechenvorgänge vereinfachte.

 

Verbreitung durch den Islam

Schriftsysteme_FEB_Grafik 5Die Verbreitung des Islam und des arabischen Schriftsystems fand zwischen 630 bis 750 statt, mit dem Angriff der arabischen Herrscher auf das Byzantinische und Oströmische Reich, die Sassaniden und die Westgoten. Durch den Tod des Propheten Mohammed 632 entstand die Spaltung der muslimischen Araber in die verschiedenen Glaubensrichtungen und in die weltweite Expansion.

Jüdische Enklaven brachten das Hebräische in die Region des Kaukasus und schließlich Südeuropas, während die arabische Schrift über das Schwarzmeer und die islamische Missionsbewegung auch im südlichen Russland angenommen wurde, beispielsweise von vielen Turkvölkern. Das Osmanische Reich suchte bis in das 20. Jahrhundert die Expansion, so dass die arabische Schrift auf dem Balkan eingesetzt wurde und in weiteren Verbreitungsgebieten auf dem afrikanischen Kontinent.

Dieses Video zeigt die Verbreitung der Länder und Reiche in Europa von 1000 bis heute im Zeitraffer:

Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches und der Gründung der Türkei wurden zahlreiche arabische Schriftsysteme aus den jeweiligen Ländern wieder entfernt und meist mit lateinischem Alphabet ersetzt, wie in der Sowjetunion, Türkei, Malaysia oder Albanien.

 

Chinesisch – Schriftkultur und Kunst

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Porzellan ist wichtiger Faktor in Kunst und Kultur.

China gilt als die Wiege vieler kulturell bedeutender Erfindungen, von dem Papier, Buchdruck, bis zum Schießpulver, Porzellan und Kompass. Das chinesische Schriftsystem ist bis heute eines der umfangreichsten weltweit, mit 50.000 bis 90.000 Zeichen, von denen im Alltag nur rund 3000 bis 6000 verwendet werden. Über 1,3 Milliarden Menschen sprechen weltweit Chinesisch, die Schriftzeichen selbst kommen zum Teil auch im Japanischen, Koreanischen und Vietnamesischen vor.

Der bedeutende Unterschied zu anderen Schriftsystemen ist der, dass die Zeichen kein einheitliches Alphabet ergeben, sondern jedes Zeichen eine Silbe oder ein ganzes Wort darstellen. Die ersten Funde datieren auf 4000 Jahre vor unserer Zeit, mit Bildsymbolen in Knochen und Steine geritzt. Nach der Übernahme durch die Qin-Dynastie (221 – 207 v. Chr.) wurde das Schriftsystem und das Geldsystem im damaligen Verbreitungsgebiet vereinheitlicht und ist mit Abweichungen bis heute noch in dieser Form im Einsatz.

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Die Chinesischen Zeichen und ihre Verwendung

Mandarin ist das Hochchinesisch, das neben Kantonesisch am meisten verbreitet ist. Die Schriftsysteme sind nicht einheitlich verteilt, doch die größte Verbreitung erhalten seit der Schriftreform der 50er Jahre die Kurzzeichen jiantizi in der Volksrepublik und die Langzeichen fantizi in Taiwan.

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Die Strichfolge

Jedes Schriftzeichen besteht meist aus zehn bis 30 Strichen, deren Reihenfolge sehr wichtig ist. Diese Grundelemente liegen vor:

  • Punkt (dian)
  • Waagerechter Strich (héng)
  • Aufstrich (tí)
  • Senkrechter Strich (shù)
  • Bogen nach links (pie)
  • Bogen nach rechts (na)
  • Haken nach links
  • Haken nach rechts

Traditionell werden die Zeichen untereinander geschrieben, doch im Laufe der Geschichte und der Verbreitung der lateinischen Leserichtung links nach rechts, gibt es auch die Möglichkeit die Zeichen von links nach rechts zu schreiben. Die horizontalen Striche werden dabei meist von rechts nach links geschrieben, die vertikalen von oben nach unten und der Bogen nach links entsteht vor dem Bogen nach rechts.

Die chinesische Sprache ist eine Tonsprache und so gibt es auf den Zeichen einen lautgebenden und einen sinngebenden Teil. Laut aktuellen Studien soll die Luftfeuchtigkeit der verschiedenen Regionen der Erde dafür verantwortlich sein, dass sich in einigen Gebieten Tonsprachen herausgestellt haben.

Die chinesische Botschaft Deutschland gibt einige Tipps für das Erlernen der Sprache:

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Folgendes Video zeigt die vier Töne:

 

Kyrillisch – Die Macht aus dem Osten

Viele bekannte Buchstaben besitzen eine andere Aussprache
Viele bekannte Buchstaben besitzen eine andere Aussprache

Das Schriftsystem Kyrillisch umfasst heutzutage einen Sprachraum von 383 Millionen Menschen in der ehemaligen Sowjetunion, Nordamerika, weiteren osteuropäischen Ländern und Teilen des Nahen Ostens. Entstanden ist das System aus dem glagolitischen Alphabet, das auf den slawischen Missionar Kyrill im 9. Jahrhundert zurückgeht. Dieses basiert, wie die lateinische Schrift, vermutlich auf dem altgriechischen Alphabet, das ist jedoch wissenschaftlich umstritten. Kliment von Ohrid soll das Alphabet ausgearbeitet haben, mit 33 Buchstaben. Im 18. Jahrhundert führte Zar Peter der Große schließlich eine einheitliche Schrift ein, die unter seiner Herrschaft verbreitet wurde.

 

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Heute gibt es über 20 Sprachen, die das kyrillische Alphabet mit Anpassungen übernommen haben. Durch die Christianisierung verbreitet sich dieses Schriftsystem in ganz Osteuropa, bis Papst Stefan der V. im 9. Jahrhundert dieses System wieder verbot und nur das lateinische für die Liturgie erlaubte.

In anderen Ländern wie Polen, Slowenien oder Kroatien wurde das katholische Christentum angenommen, so dass die lateinische Schrift eingeführt wurde. In Serbien und Kroatien wird Serbokroatisch gesprochen, doch die katholischen Kroaten nutzen das lateinische, die orthodoxen Serben das kyrillische Alphabet.

 

Das Alphabet

Die Buchstaben des Vorgängeralphabets bestehen aus Kreuzen, Kreisen und Dreiecken, den Symbolen des Christentums und mit Anlehnung an die griechische Unzialschrift des 9. Jahrhunderts schuf Kliment von Ohrid eine angepasste Schriftform, die in weiten Zügen auch an die älteren Koptischen Schriften in Ägypten erinnert.

Es gibt nicht nur ein kyrillisches Alphabet, sondern mehrere, die sich je nach Land und Sprache an die Besonderheiten der Aussprache und Inhalte richten. Im Russischen gibt es dabei zehn Vokalbuchstaben und 21 Konsonanten sowie ein Weichheits- und ein Härtezeichen.

Im Vergleich mit den lateinischen Buchstaben gibt es ähnliche Buchstaben wie das A, O und K, aber auch Buchstaben, die anders ausgesprochen werden, wie B, H, P, Y und X. Die russische Orthografie ist dabei nicht lauttreu.

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Weitere Informationen: https://www.uni-due.de/

 

Russisch in der Welt – Expansionsgedanken?

Verbreitung des kyrillischen Alphabets
Verbreitung des kyrillischen Alphabets

Das kyrillische Alphabet ist bereits vor den zahlreichen russischen Imperien entstanden und doch sorgten Christianisierung und die Zareneroberungen dafür, dass die kyrillische Schrift und Russisch in Osteuropa und Asien verbreitet wurden. Nicht erst unter der sowjetischen Herrschaft wurde eine Russifizierung streng verfolgt. Allerdings verstärkte sich während der Sowjetisierung die Intensität in der Veränderung der Bevölkerung. Der ursprüngliche heterogene Vielvölkerstaat wurde unter dem Deckmantel der Sowjetunion vereinheitlicht, auch wenn die kulturelle Assimilation nicht ausschlaggebende Politik war.

Die russische Sprache sollte jedoch angenommen und ein moderner Lebensstil eingenommen werden. Allerdings war die Russifizierung in asiatischen Ländern mit großen kulturellen Unterschieden deutlich geringer ausgeprägt als im Zentrum, so dass Russen und muslimische Bevölkerung oft nicht miteinander integriert wurden. Trotz allem blieb es nicht-russischen Sowjetbürgern erlaubt, ihre eigene Sprache zu sprechen und ihre Kulturen auszuleben.

Russlands Einfluss ist noch heute in vielen Ländern zu spüren.
Russlands Einfluss ist noch heute in vielen Ländern zu spüren.

Russlands Imperialismus war zunächst auf den Kontinent bezogen, so dass die staatliche Macht bis an das Japanische Meer und den Kaukasus reichen konnte. Der Zugang zu den Weltmeeren war dabei ein wesentlicher Aspekt.

Heute gibt es auch Jahrzehnte nach dem Zerfall der Sowjetunion Regionen, die sich Russland zugehörig fühlen, ob ethnisch, geografisch oder politisch und nicht zuletzt war die Annektion der Krim kritischer Wendepunkt in der Außenpolitik Russlands.

Für Sprach- und Kulturforscher bleibt die russische Identität interessant und vielschichtig, denn trotz unterschiedlicher Sprachen und der regionalen Weite gibt es viele ethnische Gruppen, die sich dem russischen Reich zugehörig fühlen. Ein Beispiel sind die Krimtartaren der Krim, deren Sprache mit kyrillischen Buchstaben geschrieben wird und die bereits unter Stalin nach Kasachstan deportiert wurden, bevor 1954 die Region an die Ukraine ging.

Innerhalb der EU gilt die kyrillische Schrift seit dem Beitritt Bulgariens als dritte offizielle Schrift neben griechisch und lateinisch, so dass die kyrillischen Zeichen auch auf den EU-Banknoten zu finden sind.

 

Indisch – Vielfältige Schriftsysteme

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In Indien gibt es viele Schriftarten und Sprachen

Ursprung der meisten indischen Schriftsysteme ist die Brahmi-Schrift, deren erste Funde auf das 3. Jahrhundert vor Christus zurückgehen. Sie zeigt die Dokumentation des buddhistischen Glaubens und das Mauryareich und geht vermutlich auf aramäische und phönizische Schriften zurück.

Mehr als hundert indische Schriften wurden bis heute dokumentiert. Weltweit schreiben rund eine Milliarde Menschen in diesen Schriftformen. Dreh- und Angelpunkt ist König Ashoka, der das erste große Reich Indiens im dritten Jahrhundert vorantrieb und die größte Invasion Indiens vornahm. Er nimmt außerdem den buddhistischen Glauben an, der fortan zur bedeutenden Religion anwachsen wird.

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Das weit verbreitete Sanskrit geht auf 1200 vor Christus zurück, doch die ursprüngliche Schriftform ist längst wieder verloren gegangen. Heute besitzt es eine ähnliche Bedeutung für Indien, wie das Latein für Europa oder Hebräisch für das Judentum, denn die bedeutenden religiösen Werke Indiens wurden im Sanskrit mit der Devanagarischrift verfasst. Die Devanagarischrift geht ebenfalls auf die Brahmi-Schrift zurück und wird auch in den modernen Sprachen Hindi und Marathi verwendet.

Devanagari, Hindi und Sanskrit – das Alphabet

Die heiligen Schriften sind Fundament vieler Sprachen.
Die heiligen Schriften sind Fundament vieler Sprachen.

Devanagari ist eine Buchstabenschrift, bei welcher die Anordnung der Zeichen der Reihenfolge der gesprochenen Silben entspricht, allerdings die Laute nicht immer in derselben Reihenfolge zu finden sind. Sanskrit ist bis heute als reine und heilige Sprache verehrt und überlieferte die wichtigen Werke mündlich. Eine der wichtigsten Schriften ist die Bhagavad-Gita aus dem Epos Mahabharata, die im Sanskrit verfasst wurde und für den Hinduismus die wichtigsten Lehren beinhaltet.

Schriftsysteme_FEB_Grafik 13Geschrieben wird die Schrift von links nach rechts und jedes Schriftzeichen stellt jeweils nur einen Laut dar. So gibt es 33 Konsonanten, 13 Vokale und zwei Zusatzlaute. Alle Schriftzeichen werden durch einen Längsstrich oben abgeschlossen und bis auf einige Ausnahmen enthalten sie einen vertikalen Längsstrich auf der rechten Seite. Jeder Konsonant enthält außerdem einen Vokal, der mit Vokalzeichen modifiziert wird und jede Silbe beinhaltet entweder Konsonant und Vokal oder nur Vokal.

Beispielsweise trägt der Konsonant k den Vokal a in sich, so dass die Silbe ka entsteht. Soll die Silbe ki geschrieben werden, folgt ein diakritisches Zeichen, damit anstelle des ein i mitgesprochen wird. Im Hindi gibt es Ähnlichkeiten zum Deutschen, denn die Verben kommen an das Ende des Satzes, so dass sich die Struktur Subjekt, Objekt, Verb ergibt. Allerdings erfolgt eine Konjugation der Verben nach Geschlecht, Anzahl, Zeit, Aktionsform und der höflichen Ansprache.

 

Vielseitigkeit und Problematiken verschiedener Schriften und Sprachen in Indien

Hindi wird nach Chinesisch von den meisten Menschen auf der Welt gesprochen, mittlerweile von über 460 Millionen Muttersprachlern und fast 200 Millionen Zweit- oder Fremdsprachensprechern. In Indien selbst gibt es 22 offizielle Amtssprachen, doch Hindi bleibt die populärste, die auch in den zahlreichen Bollywood-Filmen vorkommt. In der letzten Zählung gab es über 325 eigenständige Sprachen, teilweise werden bis zu 1500 Dialekte oder eigene Sprachen gezählt.

Verbreitete Sprachen in Indien
Verbreitete Sprachen in Indien

Bei der Unabhängigkeit Indiens 1947 galten Hindi, Urdu, Hindustani als austauschbar, obwohl sich Urdu am Persischen und Arabischen orientiert. Dies zeigt sich in der Verwendung der arabischen Schrift des Urdus. In der Verfassung festgelegt ist Hindi als offizielle Sprache in der Devenagari-Schrift, doch Konfliktregionen gibt es beispielsweise im Süden des Landes, im Bundesstaat Tamil Nadu, welcher ein eigenständiges Kulturerbe und Sprache besitzt.

Auch während und nach der Kolonialzeit wurde Kritik laut an der Verwendung „unindischer Sprachen“ wie Englisch oder Persisch, die nur durch Besatzungen an Bedeutung gewannen. Muslime betonen die kulturelle Besonderheit der persisch-arabischen Schriftsysteme und die Zuordnung zu religiösen Gruppen sorgt für zusätzlichen Zündstoff zwischen den Schriftennutzern und Sprechern.

 

Fazit

Die vielfältigen Schriftsysteme der Welt sind stark verknüpft mit ihrer jeweiligen Region, dem religiösen Umfeld und den machtpolitischen Zusammenhängen in der Geschichte. Viele gehen auf ähnliche Ursprungsschriftarten und Protosprachen zurück und entwickelten dabei eine eigene komplexe Struktur. Durch die Digitalisierung der Welt und der Möglichkeit alle Sprachen auf der Tastatur zu verfassen, können sich viele alte Schriften halten und besonders nach der Unabhängigkeit vieler Länder haben die verschiedenen Schriften und Sprachen wieder an Bedeutung für die Nationen gewonnen, so dass nicht nur die kolonial vorherrschenden Systeme verankert bleiben.

 

 

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